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An der feierlichen Eröffnung nahmen Vertreter der Gemeinde Niederanven unter Leitung des Bürgermeisters Fréd Ternes, der Architekt Bujar Hasani von ODA Architects, der Geschäftsführer von ICE Industrial Services Tomáš Vránek, der Vorstandsvorsitzende der PURPOSIA Group Jan Hasík, Jiří Jílek als Vertreter der tschechischen Botschafterin in Luxemburg, Pavel Zelenka, Leiter des CzechTrade-Büros für Belgien und Luxemburg, Kristýna Halounová, Direktorin des Tschechischen Zentrums in Brüssel, sowie zahlreiche weitere Gäste teil.
„Der 3D-Betondruck macht aufwendige Schalungen überflüssig. Dadurch lassen sich Bauzeiten erheblich verkürzen und gleichzeitig die innere Struktur der Bauteile verbessern. Zudem kann der Betonverbrauch um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig ermöglicht die Technologie die Realisierung komplexer Formen, die mit herkömmlichen Schalungssystemen nur schwer oder gar nicht umsetzbar wären“, erklärt Tomáš Vránek, Gründer und Mitinhaber von ICE Industrial Services, einem Unternehmen der MTX Group – einer der größten Industrieholdinggesellschaften Tschechiens im Besitz von Petr Otava.

Das Tiny House ist weit mehr als eine technologische Demonstration. Es steht zugleich für die Innovationskraft tschechischer Unternehmen.
„Dieses innovative Gebäude, das mithilfe einer einzigartigen 3D-Drucktechnologie entstanden ist, zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial tschechische Unternehmen mit modernen und hochwertigen Lösungen auf dem luxemburgischen Markt haben“, erklärte Jiří Jílek, Vertreter der tschechischen Botschafterin in Luxemburg, gegenüber Seznam Zprávy. „Solche erfolgreichen Projekte tragen gleichzeitig wesentlich zur Vertiefung der ausgezeichneten Beziehungen zwischen Tschechien und Luxemburg bei“, ergänzte er.
Das Tiny House zeigt, dass sich selbst in einem der teuersten Wohnungsmärkte Europas neue Wege des Bauens eröffnen. Für Luxemburg ist das Projekt ein wichtiger Praxistest mit Blick auf eine zukünftige systematische Nutzung der Technologie. Für Tschechien wiederum ist es ein Exporterfolg, der zeigt, wie Innovation den Zugang zu anspruchsvollen internationalen Märkten ermöglichen kann. Bewährt sich der 3D-Betondruck dauerhaft, könnte die Technologie in Luxemburg den Bau von Hunderten zusätzlicher, bezahlbarer Wohneinheiten ermöglichen und zugleich weitere europäische Länder – einschließlich Tschechiens – dazu inspirieren, diese Bauweise in ihre Wohnungsbaupolitik zu integrieren.
Luxemburg kämpft seit Jahren mit einem erheblichen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Um den Bedarf zu decken, müssten jährlich rund 7.000 neue Wohnungen entstehen. Tatsächlich werden jedoch weniger als 4.000 fertiggestellt. Die Folge ist ein dauerhaft überhitzter Immobilienmarkt. Im ersten Quartal 2025 stiegen die Preise für Neubauwohnungen gegenüber dem Vorjahr um 10,9 Prozent auf mehr als 10.000 Euro pro Quadratmeter, während die Zahl der Baugenehmigungen um 37,8 Prozent zurückging. In der Hauptstadt Luxemburg liegen die Preise sogar bei rund 12.000 Euro pro Quadratmeter. Für eine Wohnung mit 47 m² Wohnfläche zahlen Käufer dort üblicherweise mehr als 560.000 Euro. Das Tiny House kostet dagegen rund ein Drittel weniger – und nutzt zudem ein Grundstück, das für eine konventionelle Bebauung kaum geeignet gewesen wäre.

Für Luxemburg, dessen Bauwirtschaft unter Fachkräftemangel und steigenden Materialkosten leidet, könnte der 3D-Betondruck einen strategischen Wendepunkt darstellen. Bereits heute ermöglicht die Technologie nachweisbare Einsparungen von bis zu 45 Prozent. Verantwortlich dafür sind die hohe Automatisierung, die kurze Bauzeit, der geringere Materialverbrauch, weniger Bauabfälle sowie reduzierte Kosten für Personal, schwere Baumaschinen und Gerüste.
Ein weiterer Vorteil liegt in der gestalterischen Freiheit, die Architekten, Investoren und Bauherren eröffnet wird. Gleichzeitig lassen sich energieeffiziente Systeme einfacher und schneller integrieren. Das Tiny House ist beispielsweise mit Solarmodulen, zehn Batteriespeichern und einer Fußbodenheizung ausgestattet. Dadurch erreicht das Gebäude einen hohen Grad an Energieautarkie, Wohnkomfort und niedrigen Betriebskosten. Zusätzlich werden zur Kompensation der CO₂-Emissionen 21 Bäume gepflanzt.
Das Projekt besitzt darüber hinaus eine wichtige soziale Dimension. Die Gemeinde Niederanven hat entschieden, das Tiny House im Rahmen des Programms Hei wunne bleiwen („Keep Living Here“) jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, die sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen. Bereits im September wird das Haus für einen Zeitraum von zehn Jahren an die erste ausgewählte Mieterin vermietet.
Die 3D-Betondrucktechnologie fügt sich nahtlos in die strategischen Ziele der Europäischen Union ein, Innovation, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und sozialen Zusammenhalt miteinander zu verbinden. Sie beschleunigt Bauprozesse, reduziert den CO₂-Fußabdruck und eröffnet zugleich neue Möglichkeiten für bezahlbaren Wohnraum.
Weiterführende Informationen:
Luxembourg Times: Luxembourg town unveils first tiny house built with 3D printer | Luxembourg Times
Luxembourgh Wort: Das 3D-Tiny-House in Niederanven, zwischen Innovation und Kritik | Luxemburger Wort
Seznam Zprávy: Češi vytiskli v Lucembursku dům z betonu za osm milionů - Seznam Zprávy

Autor: Jiří Jílek, Stellvertretender Botschafter der Tschechischen Republik in Luxemburg
Quelle: Botschaft der Tschechischen Republik in Luxemburg https://mzv.gov.cz/luxembourg
Originalartikel: Das erste 3D-gedruckte Tiny House in Luxemburg